Teneriffa war die erste Insel, auf der ich lebte. Wenn man vom Süd-Flughafen wegfährt, denken viele Touristen: Oh, wo bin ich denn da gelandet? Mitten in der Wüste? Doch sehr schnell stellt sich heraus, dass Teneriffa sehr viele Gesichter hat.

Wie oft habe ich am Meer gesessen mit seiner ganz individuellen Kraft, habe Energie getankt und mich verzaubern lassen von bilderbuchartigen Sonnenuntergängen mit Farben, die man nicht beschreiben kann. Immer wenn ich über die Insel fuhr, fielen mir aufs Neue die einfachen, jedoch allerherzlichen Menschen auf, welche ihre Häuser, Fincas, Straßen und Gewerbeanlagen mitten in die karge Landschaft bauten.

Es gibt sehr wenig Natursandstrände auf der Insel. Die meisten sind künstlich angelegt worden und der Sand ist schwarz. Somit ist es auch schwieriger einsame Buchten zu finden. Das Wasser vom Atlantik ist wesentlich kälter als das Mittelmeer. Außerdem gibt es auch an manchen Stellen gefährliche Unterströmungen, die von den Touristen immer wieder unterschätzt werden.

Beobachte ich die Jahreszeiten, so ist der Winter angenehm mild. 13 Grad sind schon mal die Ausnahme. Auch der Sommer ist gut verträglich weil die Temperatur selten über 40 Grad steigt und vom Meer her immer eine frische Brise weht. Dieses Klima ist für mich das Beste, das ich je hatte. Und dieses Klima scheint auch Flora und Fauna gut zu bekommen. Frisches, reifes Obst und Gemüse ist täglich ebenso selbstverständlich wie fangfrischer Fisch zu den Mahlzeiten.

Die Fahrt zum Teide, Spaniens höchstem Berg, (3.718m) ist allein schon ein Wunder. Nach jeder Kurve neue Eindrücke. Die Landschaft wechselt laufend, Staunen und Schauen ist angesagt. Pflanzen, die nur hier wachsen, die es sonst nirgends auf der Welt gibt. Die meisten stehen unter strengem Naturschutz. Das höchste Bergdorf „Villaflor“ liegt auf dem Weg zum Teide. Ein idyllisches Dorf, im Winter schneit es hier auch manchmal. Ein wundervoller Kontrast zum Tal mit seinen warmen Ausläufen und den in der Ferne am Strand badenden Touristen.

Mit jedem km nach oben wird die Landschaft karger und steiniger bis der große Krater erreicht ist auf ca. 2.100 m. Das letzte Stück fährt man mit der Seilbahn hoch und danach geht es zu Fuß zum Gipfel. Für diese Wanderung braucht man eine Genehmigung und einen Führer. Im Winter ist der Gipfel schneebedeckt und Kulisse für viele Fotos. Große, prächtige und kleine Kreuzfahrtschiffe kann man in St. Cruz – der Hauptstadt- sehen. Sie wiegen sich alle zusammen sanft im Hafen.

Etwas zügiger geht es in El Medano, in der Nähe des Süd-Flughafens zu. Hier sind die Surfer zu Hause. Ein wahres Windsurfparadies und so verwundert es mich nicht, dass dort bereits Weltmeisterschaften in Winsurfing stattgefunden haben. Der Norden ist grüner, hier regnet es öfters und es ist frischer. Puerto de la Cruz ist immer einen Ausflug wert, mit seinem kleinen Hafen, alten traditionellen Häusern und seinen netten Cafés und die vielen Restaurants und Bars an der Promenade. Essen gehen ist hier noch zum Teil typisch kanarisch und für jeden erschwinglich.

Nicht vergessen möchte ich das Monasterio, außerhalb Puerto de la Cruz. Auf einem großen Arenal steht ein umgebautes, altes Kloster mit verschiedenen Restaurants. Draußen spazieren die Hühner zwischen den Stühlen und warten auf ein paar Brotkrumen. Im Klostergarten bin ich immer gerne herumspaziert, es gibt einen Fischweiher, einen Ententeich und verschiedene Tiere. Im Café hat man eine super Aussicht aufs Meer. Irgendwann folgte ich den kreischenden Lauten, welche der Wind gelegentlich an mein Ohr sendete und so besuchte ich den weltbekannten Loropark, den Papageienpark.

Bunte Farben und eine Vielzahl unterschiedlichster Tiere und Pflanzen lassen das Herz eines Jeden lauter schlagen. Ich habe immer im Südwesten der Insel gewohnt. Es ist die wärmste Gegend auf der Insel und es gibt nicht soviel Wind wie in der Gegend um den Südflughafen. Außerdem hatte ich eine schöne Aussicht auf die Insel Gomera. Bei klarem Wetter sieht man auch die Inseln El Hierro und La Palma. Historische Gebäude gibt es hauptsächlich im Norden. Der Süden ist neu aufgebaut, früher gab es dort gar nichts, höchstens vereinzelte Fischerdörfer.

Kulturell habe ich sehr viel vermisst aber auch hier bleibt die Zeit nicht stehen und das Angebot wird immer besser. Wenn eine Frau sehr selbständig ist, beunruhigt das die kanarischen Männer immer noch sehr. Sie sind halt mit Leib und Seele Machos! Vor vielen Jahren war ich bei meiner Versicherung wegen einem Autoschaden. Ich kannte den Chef gut. Er wurde während unserer Schadenbearbeitung ans Telefon gerufen und ich hatte es eilig. Der Kopierer stand neben mir und ich hab mir die Kopien schnell durchgelesen.

Der Chef hat fast einen Herzinfarkt bekommen, als er das sah, weil Frauen doch mit solchen Geräten nicht umgehen können??? Auch habe ich öfters auf der Straße Vorfahrt bekommen, obwohl ich keine Vorfahrt hatte.Wenn ich dann in das Auto schaute, das mir die Vorfahrt ließ, saß sicher ein älterer Canario am Steuer, der meinte, Frauen können nicht Auto fahren und er lässt dann lieber mir die Vorfahrt.

In Spanien generell habe ich gelernt, was „Stoßstange“ bedeutet. Man parkt ein, stößt vorne und hinten an und dann hat man gut eingeparkt. Ein neues Auto wird sicher nach kurzer Zeit einige Dellen und Beulen aufweisen, von dem der Besitzer keine Ahnung hat, wo die herkommen. Geht man in den Supermarkt oder auf die Bank, braucht man manchmal schon Nerven. In Spanien stirbt niemand an Stress. Da wird erstmal an der Kasse das ganze Geschehen vom Dorf oder von der Familie erzählt, egal wie lange die Schlange dahinter steht.

Die Cafés sind immer gut besucht. Jeder trifft sich mindestens einmal am Tag in einem Café zu einem Plausch. Selbst geschäftliche Aktionen werden im Café besprochen. Deutsch wird sehr wenig gesprochen. Englisch mehr. Auf Teneriffa, wenn ich mit Freunden im Café was bereden wollte, das nicht alle hören sollten, haben wir deutsch gesprochen. Auf Mallorca ist das umgekehrt, da muss ich Spanisch reden, dann versteht mich keiner mehr!

Es gibt viele Geschichten zu erzählen. Ich werde sie nach und nach aufschreiben - schauen Sie doch hier immer mal wieder vorbei.